Die Pflegeprofession in der Aufmerksamkeitsfalle


Bochum, den 12.01.2026

Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie. Politische und mediale Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf globale Krisen, internationale Konflikte und sicherheitspolitische Großereignisse. Diese Entwicklungen sind real und ernst zu nehmen. Gleichzeitig dürfen sie nicht dazu führen, dass zentrale strukturelle Probleme im eigenen Gesundheitssystem weiter in den Hintergrund gedrängt werden.

Die Situation der Pflegepersonen in Deutschland bleibt unverändert kritisch. Personalmangel, hohe Arbeitsverdichtung, fehlende Mitbestimmung und unzureichende politische Steuerung prägen weiterhin den Berufsalltag. Diese Probleme bestehen unabhängig davon, welche Themen aktuell die öffentliche Agenda bestimmen. Sie verschwinden nicht durch fehlende Aufmerksamkeit.

Pflege ist eine eigenständige Profession mit hoher fachlicher Verantwortung für die Versorgung von Menschen in vulnerablen Lebenslagen. Die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems hängt maßgeblich von den Arbeitsbedingungen, der Professionalität und der langfristigen Sicherung dieser Berufsgruppe ab. Wer gesellschaftliche Stabilität und Resilienz einfordert, muss die Pflegeprofession konsequent mitdenken und politisch ernst nehmen.

Der BochumerBund fordert daher, die Anliegen der Pflegepersonen nicht erneut der Dynamik öffentlicher Aufmerksamkeitsverschiebungen zu überlassen. Notwendig sind verbindliche Personalbemessung, verlässliche Rahmenbedingungen, echte Mitbestimmung und eine klare Stärkung der Pflegeprofession im gesundheitspolitischen Entscheidungsprozess. Die Krise der Pflege ist keine Randerscheinung, sondern eine dauerhafte innenpolitische Herausforderung.

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