Die Pflegegewerkschaft
 
#VonPflegendenfuerPflegende

Der BochumerBund feiert seinen ersten Geburtstag!

 Am 12.05.2020 wurde aus dem gleichnamigen Verein, der die Gründung vorbereitet hat, die Pflegegewerkschaft BochumerBund. Nach einem turbulenten Jahr befindet sich unsere Gewerkschaft weiterhin im Aufbau. Der BochumerBund lebt von seinen aktiven Mitgliedern. Sie investieren viel Zeit in ihrer Freizeit, oft nach einem anstrengenden Dienst. Sie bauen die Pflegegewerkschaft auf und gestalten sie so, wie sie sich eine starke Gewerkschaft vorstellen.

Wir, als Spartengewerkschaft von Pflegenden für Pflegende, fühlen uns ausschließlich dem Berufsstand der Pflegeberufe verpflichtet. Wir konzentrieren unsere Bestrebungen auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen dieser Berufsgruppe. Denn „die Pflege“ umfasst nicht nur die pflegerische Versorgung. Der Pflegeberuf ist so vielfältig wie das Leben selbst und hat, wie unsere Patientinnen und Patienten, spezielle Bedürfnisse, die nicht in einen Topf mit anderen Gesundheitsberufen geworfen werden dürfen. Wir sehen die pflegerische Versorgung als öffentliche Daseinsvorsorge an. Somit ist sie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jeder Mensch hat ein Recht auf qualitativ hochwertige Pflege in Würde und nicht nur derjenige, der sie sich leisten kann. Wir wollen weg von „sauber, satt und trocken“, hin zu einem gesundheitsfördernden Beruf, der die Individualität jeder und jedes Einzelnen in den Mittelpunkt des beruflichen Handelns stellt.

Die Tarifkommission des BochumerBund erarbeitet ein neuartiges Tarifsystem. Außerdem setzen wir uns für ein Arbeitszeitsystem ein, das die Beschäftigten schützt und sie arbeitsfähig und gesund hält. Denn die psychischen und physischen Belastungen im Pflegeberuf sind oft extrem hoch. Darüber hinaus möchten wir die Karrierechancen im Pflegeberuf verbessern, indem wir die Professionalisierung und Akademisierung des Berufes vorantreiben. Diese wollen wir auch tariflich abbilden, damit sich das Lernen, das Weiterbilden, das Studieren wieder lohnt.

Wir unterstützen die Bundespflegekammer und die Landespflegekammern, weil wir auf der Grundlage ihrer Arbeit die pflegerischen Tätigkeiten in einem Tarifwerk abbilden können. Wir brauchen eine Berufsordnung mit einer Beschreibung pflegerischer Tätigkeiten sowie eine Fort- und Weiterbildungsordnung, damit die Arbeitgebenden sich nicht weiterhin aussuchen können, was pflegerische Arbeit ist und was nicht. Dies muss verbindlich geregelt werden – und zwar von uns Pflegenden selbst.

Ausgerechnet im ersten Jahr nach der BochumerBund-Gründung bekam die Pflege, aufgrund der sichtbar werdenden Folgen der misslungenen Pflegepolitik der vergangenen Jahrzehnte sowie wegen der Corona-Pandemie, viel mediale Aufmerksamkeit. Die Öffentlichkeit bzw. die Gesellschaft hat den Wert der Pflege erkannt und den Beruf für „systemrelevant“ erklärt. Denn ohne Pflege wird es niemals gehen. Und von der Politik: Der BochumerBund wird oft gebeten, Stellungnahmen abzugeben, beispielsweise zu Gesetzesvorhaben. Doch noch immer sprechen andere Berufsgruppen für uns. Gleichwohl werden wir als eigene Berufsgruppe mit eigenen Kompetenzen wahrgenommen und unsere Expertise ist gefragt. Das war sie zwar immer, aber immerhin ist das nun auch in Teilen der Gesellschaft und in Teilen der Politik angekommen.
Doch geändert hat sich bis auf die Aufmerksamkeit nicht so viel. Die Arbeitsbedingungen werden immer härter und die Kolleginnen und Kollegen stehen vor der Wahl zwischen der eigenen Gesundheit und der Ausübung des Traumberufes. Das darf nicht so weitergehen. Daher appellieren wir an alle Pflegekräfte des Landes: Organisiert euch, vereinigt euch, leistet Widerstand und gebt der Pflege eine Zukunft.

Natürlich ist der BochumerBund noch lange nicht dort angekommen, wo er eigentlich hin will. Wir hoffen auf deutlich mehr Mitglieder. Deswegen organisieren wir uns jetzt in regionalen Gruppen vor Ort. Trotz aller bisherigen Anstrengungen müssen wir noch viel präsenter werden, auch in unserer eigenen Berufsgruppe. Denn nur, wenn alle Pflegenden begreifen, was eine Pflegegewerkschaft für eine Riesenchance darstellt, werden wir selbst die Pflege mitgestalten können. Solange Pflege in Deutschland auf der Ausbeutung von Pflegenden, Angehörigen und Kranken beruht, dürfen wir keine Ruhe geben.

Zum Internationalen Tag der Pflegenden sagen wir: Danke allen voran an @chiara.jay, die uns ihre Stimme lieh und an alle Mitglieder, Unterstützer und Aktiven für die tolle Arbeit im letzten Jahr und auch ein großes Danke an alle die, die unseren digitalen Protest, in Form unseres eigens produzierten Videos, möglich gemacht haben! Hier geht´s zum Video: https://youtu.be/iiVpak3rwR8


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25.03.2021

Statement zur Abstimmung zur Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein

„Das Ergebnis über die Pflegekammer Schleswig-Holstein ist sicher nicht das, was wir uns erhofft haben. Dennoch werden wir die Abstimmung so akzeptieren und für die Zukunft daraus lernen. Leider steht der Pflegeberuf in einer Tradition der Bevormundung durch andere und diente nicht selten als politischer Spielball. Deshalb hat die politische Entscheidung eine Berufekammer durch die Pflegenden per Abstimmung auflösen zu lassen einen üblen Beigeschmack. Stellt sich doch hier unmittelbar die Frage, wann die anderen Berufsgruppen über ihre Kammer abstimmen?
Entscheidend ist jedoch, dass jetzt diejenigen liefern die seit Jahren destruktiv gegen die Kammern arbeiten. Hier schauen wir sehr genau hin, welche Lösungen geboten werden.“
Benjamin Jäger, Vorsitzender BochumerBund



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